Und da bin ich wieder. Nach langer Zeit wieder einmal eine kleine Geschichte aus dem großen Brasilien. Aber erst einmal: Was ist in der Zwischenzeit passiert?
-In den Ferien bin ich noch zwei weitere Male verreist:
1) nach Sao Paulo und Bertioga, das ist ein Strand dort in der Nähe.
Wir haben zuerst meinen Gastbruder Bruno am Flughafen verabschiedet. Er ist inzwischen in Schweden, wo er erst wirklich schlimmes Heimweh hatte, was sich aber jetzt stark gebessert hat, es gefällt ihm richtig gut drüben in der Kälte.
Nach dem wir ihm am Flughafen eine schöne Reise gewünscht haben, ging es dann wie gesagt nach Bertioga, wo es aber vor allem geregnet hat, was auch schon der zentrale Punkt dieses Urlaubs war. Nicht dass es mir nicht gefallen hätte, es war wirklich schön am Strand zu joggen, bei Regen (keine Ironie!).
2) Die zweite Reise ging zu den Thermas da Olympia, ein Aquapark circa 3 Stunden von hier. Diesmal hatten wir mehr Glück mit dem Wetter, und den ganzen Tag wahnsinnig hohe und steile Rutschen zu rutschen macht wirklich Spaß.
-Auch wenn ich nicht gerade am Brasilien kennen lernen war, hatte ich doch wunderschöne Sommerferien hier mit vielen Freunden und langen Nächten. Ich habe in den gesamten Ferien an zwei Tagen vor drei Uhr nachts geschlafen. Abgesehen von den Reisen.
-Leider hat die Schule wieder angefangen, nachdem ich jetzt ja aber auch fast die Hälfte meines Austausches Ferien hatte.
-Ich werde jetzt Schlagzeugunterricht nehmen. Beziehungsweise ich hatte bereits eine Stunde und werde es fortsetzten, da die Schule wirklich sehr gut ist.
-Inzwischen fühle ich mich wirklich sicher in der Sprache. Ich kann natürlich nicht alle Wörter und verstehe auch nicht alles, aber wenn ich mich mit einem Erwachsenen unterhalte, der weiß dass ich kein Muttersprachler bin kann ich mich über alles unterhalten.
Ich glaube das sind die Neuigkeiten die so vorgefallen sind. Jetzt aber zum Eigentlichen, Capoeira.
Capoeira ist ein brasilianischer Kampf-Tanz-Sport, der vor allem im Norden, in Bahia praktiziert wird. Hier habe ich ein sehr gutes Video auf YouTube gefunden, dass etwas über Capoeira erklärt. Eine etwas ältere deutschsprachige Dokumention.
Auf jeden Fall wurde ich von einer Freundin eingeladen, mir eine Capoeirarunde hier einmal an zugucken und ein bisschen zu lernen. Wir (drei Freundinnen, Mutter, ich) sind also dort hin.
Als wir reinkamen, spielten die Schüler gerade auf den typischen Instrumenten. In dem Video wird auch einiges darüber erklärt, wie die Instrumente aussehen und gespielt werden, welche Rolle sie spielen usw. Ich will alles genau beschreiben, das Video macht es da besser(Video).
Auf jeden Fall aber wir erstmal circa eine Viertel Stunde die Musik gehört, sehr rhythmusbasiert und mit lauten, tranceartigen Gesängen. Ein einzelner Sänger singt die Strophen, die anderen wiederholen einen einfachen Zwischenruf.
Nachdem sie ihre Instrumente weggeräumt hatten und die Stühle an den Rand gestellt, sollte ich zu ihnen in einen Hock-Kreis kommen. Wir haben uns an den Händen genommen und "Gott unabhängig von der Religion" gepriesen und gedankt. Das lässt wahrscheinlich das lockere Klima erahnen, dass in der Schule herrschte, alle waren total diszipliniert am trainieren, aber nie verbissen, sondern mit einer positiven Einstellung.
Danach ging es ans Aufwärmen. In der Hocke durch den Raum springen, und das (Achtung) ohne die Beinmuskeln zu nutzen. Nur mit den Fußmuskeln. Wer eine Idee haben will, wie anstrengend das ist, einfach eine Weile nach versuchen.
Danach hat der Lehrer, den anderen eine Übung vorgemacht, und mir dann, während die Schüler sich in komplexen Bewegungen über den Boden bewegten, den Basisschritt erklärt.
Nach einer Weile haben sich auch sich auch meine Freundinnen zu mir gesellt, und wir alle haben fleißig getanzt. Dabei sollten wir die Augen immer auf dem Plastikstuhl haben, den der Meister vor uns platziert hatte: Ein Symbol für den Gegner.
Wenn wir dann einen Bewegungsablauf gelernt hatten, kam der nächste dran, die und es wurde zunehmend komplexer. Auch wenn die Bewegungen langsam waren, war es doch ziemlich schwierig, alles zu beachten:
In die Knie, Hände links auf den Boden, linkes Bein nach rechts strecken, dann mit dem Rechten drüber steigen, und mit dem linken einen langsamen Tritt über den auf dem Rücken liegenden Stuhl. Aufstehen, zwei Standartschritte und dann das gleiche auf der Rechten Seite. Und dabei nie die Augen von dem Stuhl nehmen. Heute war zudem nicht einer dieser kühlen Tage, sondern eine Wahnsinnshitze und es gab keine Klimaanlage im Raum. Auch wenn ich mich in letzter Zeit öfters sportlich betätige, nicht nur Fußball sondern auch joggen, habe ich mit ziemlicher Sicherheit noch nie so geschwitzt wie heute. Als wir nach ein einhalb Stunden die Treppe runtergingen, musste ich wirklich aufpassen, da meine Beine gezittert haben vor Anstrengung. Lange in der Hocke zu sein beansprucht anscheinend einen Muskel, den man bei Sport in normaler Höhe nicht braucht.
Als ich dann wieder zu Hause war habe ich dann auch nicht mehr beim Fußball mitgespielt, sondern einfach nur zu geguckt. Bis es dann so gegen Acht Uhr total zugezogen ist, und ein richtig starker Regen begonnen hat.
Es regnet und gewittert immer noch über Prudente, und mit einem wahnsinns Muskelkater werde ich mich jetzt also schlafen legen,
Beijos e Abracos, Falo!!
Sonntag, 15. Februar 2009
Samstag, 27. Dezember 2008
Die Festtage
Frohe Weihnachten euch allen!
Viele Grüße aus dem regnerischen Sommer Minas Gerais, wo ich die Feiertage verbringe. Hier bin ich mit meiner ersten Gastfamilie.
Zwischen all den Familienbesuchen habe ich jetzt Zeit gefunden, mich kurz von dieser Seite der Welt zu melden. Mein Bruder faulenzt fernsehend in der Hängematte hinter mir, meine Tante ist zu Besuch und das Leben lebt so vor sich hin.
Ich möchte also ein bisschen über meine Tage hier erzählen:
Ich möchte also ein bisschen über meine Tage hier erzählen:
Am 23. bin ich um 5.30 aufgestanden, um dann von circa 6.30 bis 20.00 im Auto zu sitzen. Die Reise in den Nachbarstaat. NACHBAR.
Nun, wir sind angekommen, und nach einem kleinen Essen mit Grossmutter, Tanten und Cousinen und etwas Fernsehen ging es dann ins Bett.
Der 24. Dezember war ziemlich ruhig. Ich konnte mich von der Reise erholen, und habe dann auch schon ein paar Geschenke, 2 schicke T-shirts, bekommen.
Am 22. hatte ich von meiner zweiten Gastfamilie auch schon Geschenke bekommen, ich würde sie ja vor dem neuen Jahr nicht wieder sehen. Ich bekam - 2 schicke T-shirts.
Nun, zurück zum Weihnachtsabend. Den Tag haben wir mit Shoppingcenter, einem Besuch bei meiner Tante und Fernsehen verbracht. Am Abend habe ich dann über Skype zu Hause in Deutschland angerufen und mich mit vielen Personen meiner Familie unterhalten.
Es war ein sehr fröhliches Gespräch, und einige Stimme hatte ich seit dem Tag meiner Abreise nicht mehr gehört!
Gleichzeitig chattete meine Gastfamilie mit Guilherme, der im Moment ja in Ungarn ist.
Danach bin ich dann ein bisschen traurig (aber nur ein bisschen) geworden. Es war einfach nicht Weihnachten! Wenn man nach draußen sah, sah man Weihnachtsmänner, Lichterketten und viele andere Arten von Dekor, aber es fühlte sich einfach nicht nach Weihnachten an. Weihnachten braucht die eigene Familie, die eigenen Traditionen, sonst ist es einfach nicht Weihnachten.
Um 21.00 sind wir dann zu dem Apartment meiner Tante gefahren. Es gab dort ein Weihnachtsfestessen mit vielen Familien, die dort im Pregio (Hochhaus) wohnten. Nun, wie Weihnachten schien das nicht. Eher wie eines der normalen Chuchascos, man lernt viele neue Leute kennen, sitzt rum, isst und trinkt gut.
Beim Skypen haben meine Eltern oft gefragt, wann wir denn Essen würden, und was es geben würde. Die Antwort: Essen gab es circa um 01.00 des 25.12, es gab ein großes Festmahl mit Reis, Huhn und der obligatorischen Bohnensoße. Danach köstlichen Nachtisch.
Wir hatten beschlossen, die Geschenke erst am nächsten Morgen zu übergeben, im Kreise der Familie. Und so öffnete ich dann, als wir uns morgens im Zimmer meiner Eltern versammelt hatten, die glitzernden Packungen von weiteren schicken Shirts, und - einem Handy!
Ich hatte ja sonst immer ein antikes Telefon, und vor allem hier in Brasilien hatte es noch nachgelassen. Ab und zu wurde der Bildschirm schwarz, wechselte die Beleuchtung von Negativ auf Positiv (also so, dass schwarz weiß wird, alle Farben kehren sich um), etc. Ich hatte mich daran gewöhnt, aber über ein neues, und wirklich schmuckes Handy habe ich mich trotzdem gefreut.
Am Nachmittag ging es dann zu einem anderen Festessen, die Familie meines Schwiegeronkels, wo ich einige nette Sitten und Spiele beobachten konnte. Wieder gab es gutes Essen.
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Diesen Teil des Posts habe ich am 26. geschrieben. Hier jetzt die Fortsetzung.
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Danach haben wir noch einen Tag in der Stadt verbracht, und sind am 27. nach Bela Horizonte aufgebrochen. Dort hat eine Cousine ein Apartment. Wir lebten also dort in einem schon recht alten Hochhaus, direkt im Zentrum und nah an den dortigen Regierungsgebäuden gelegen. Von dort aus haben wir Ausflüge in historische Dörfer und Kirchen unternommen, was mir sehr gefallen hat.
Ganz besonders war Ouro Preto. Die Stadt ist 300 Jahre alt, was für Brasilien viel ist.
Zu sehen gab es vor allem die Werke des Künstlers Aleijadinho zu sehen, der vor allem Kirchen ausgestattet hat.
Auch bekannt ist Minas Gerais,vor allem Ouro Preto, für die wertvollen Steine, die es dort zu finden gibt, Gold, Silber, und alle möglichen Kristalle. Minas Gerais heißt übersetzt ja auch "Minen im generellen", was also durchaus Sinn ergibt.
Am 31.12 des letzten Jahres haben wir dann Abends recht wenig gemacht. Von den Tagesausflügen waren wir alle etwas geschafft, und dazu kam ein furchtbarer Tropensturm, der über Bela Horizonte wütete. Man sah Autos die im Wasser, mitten auf der Straße stecken blieben etc.
Gegen Zehn verließen wir aber trotzdem das Haus, wir wollten zu einem See in der Stadt fahren, wo wohl viele sein würden. Nach ein einhalb Stunden in der Stadt herumkurven hatten wir es gefunden. Bela Horizonte ist nämlich eine Art urbanes Labyrinth, der Weg an sich waren bloß 10 Minuten, der Rest war Suche.
An dem See, wo wir gegen 23.50 eingetroffen waren, waren wirklich eine Menge Leute. Im nahen Stadion feierte die Kirche eine Großveranstaltung. Um Mitternacht begann dann ein schönes Feuerwerk, und der riesige elektrische Weihnachtsbaum in der Seemitte steuerte ein paar Weihnachts und Silvesteranimationen bei.
Anders an diesem Silvester war vor allem, dass keiner eigenes Feuerwerk dabei hatte, obwohl es sich hier das ganze Jahr über erwerben lässt. Es gab nur das große, organisierte Feuerwerk.
Um Ein Uhr war ich dann im Bett, am nächsten Tag ging es zurück nach Presidente Prudente.
Soweit der Bericht von den Festtagen, alles in allem muss ich zugeben, dass dies die Zeit ist, die ich am liebsten in Deutschland verbracht hätte, dort gefallen mir diese Feste besser.
Die nächsten Tage will ich dann versuchen, noch ein paar Berichte über die große Reise zu schreiben, aber auch ein Ferientag ist auf einmal furchtbar voll mit Unternehmungen!
Ich hatte ja sonst immer ein antikes Telefon, und vor allem hier in Brasilien hatte es noch nachgelassen. Ab und zu wurde der Bildschirm schwarz, wechselte die Beleuchtung von Negativ auf Positiv (also so, dass schwarz weiß wird, alle Farben kehren sich um), etc. Ich hatte mich daran gewöhnt, aber über ein neues, und wirklich schmuckes Handy habe ich mich trotzdem gefreut.
Am Nachmittag ging es dann zu einem anderen Festessen, die Familie meines Schwiegeronkels, wo ich einige nette Sitten und Spiele beobachten konnte. Wieder gab es gutes Essen.
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Diesen Teil des Posts habe ich am 26. geschrieben. Hier jetzt die Fortsetzung.
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Danach haben wir noch einen Tag in der Stadt verbracht, und sind am 27. nach Bela Horizonte aufgebrochen. Dort hat eine Cousine ein Apartment. Wir lebten also dort in einem schon recht alten Hochhaus, direkt im Zentrum und nah an den dortigen Regierungsgebäuden gelegen. Von dort aus haben wir Ausflüge in historische Dörfer und Kirchen unternommen, was mir sehr gefallen hat.
Ganz besonders war Ouro Preto. Die Stadt ist 300 Jahre alt, was für Brasilien viel ist.
Zu sehen gab es vor allem die Werke des Künstlers Aleijadinho zu sehen, der vor allem Kirchen ausgestattet hat.
Auch bekannt ist Minas Gerais,vor allem Ouro Preto, für die wertvollen Steine, die es dort zu finden gibt, Gold, Silber, und alle möglichen Kristalle. Minas Gerais heißt übersetzt ja auch "Minen im generellen", was also durchaus Sinn ergibt.
Am 31.12 des letzten Jahres haben wir dann Abends recht wenig gemacht. Von den Tagesausflügen waren wir alle etwas geschafft, und dazu kam ein furchtbarer Tropensturm, der über Bela Horizonte wütete. Man sah Autos die im Wasser, mitten auf der Straße stecken blieben etc.
Gegen Zehn verließen wir aber trotzdem das Haus, wir wollten zu einem See in der Stadt fahren, wo wohl viele sein würden. Nach ein einhalb Stunden in der Stadt herumkurven hatten wir es gefunden. Bela Horizonte ist nämlich eine Art urbanes Labyrinth, der Weg an sich waren bloß 10 Minuten, der Rest war Suche.
An dem See, wo wir gegen 23.50 eingetroffen waren, waren wirklich eine Menge Leute. Im nahen Stadion feierte die Kirche eine Großveranstaltung. Um Mitternacht begann dann ein schönes Feuerwerk, und der riesige elektrische Weihnachtsbaum in der Seemitte steuerte ein paar Weihnachts und Silvesteranimationen bei.
Anders an diesem Silvester war vor allem, dass keiner eigenes Feuerwerk dabei hatte, obwohl es sich hier das ganze Jahr über erwerben lässt. Es gab nur das große, organisierte Feuerwerk.
Um Ein Uhr war ich dann im Bett, am nächsten Tag ging es zurück nach Presidente Prudente.
Soweit der Bericht von den Festtagen, alles in allem muss ich zugeben, dass dies die Zeit ist, die ich am liebsten in Deutschland verbracht hätte, dort gefallen mir diese Feste besser.
Die nächsten Tage will ich dann versuchen, noch ein paar Berichte über die große Reise zu schreiben, aber auch ein Ferientag ist auf einmal furchtbar voll mit Unternehmungen!
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